19. Januar 2008, kurz vor 20:00 Uhr: Ich stehe in einem alten Schloss und freue mich auf den jungen, hübschen Schlossherren. Endlich darf ich ihn mal wieder live erleben - Daniel im Palas im Schloss Schöningen! Vorher muss ich noch an der Security vorbei - kurz und schmerzlos werden Tasche und Handy inspiziert, alles okay. Mein Platz ist irrtümlich besetzt, auch kein Problem, zwei Stühle weiter ist noch was frei.
Dann ist es so weit: Die Band erscheint und unter heftigem Applaus auch Daniel, mit umgeschlagenen Jeans, schwarzer Jacke und einem schwarzen Schal über dem türkisblauen Shirt. Gut schaut er aus! „Denken Sie an die erste Freundschaft, an die erste Liebe, den ersten Sex”, sagt er uns und beginnt mit Entflammte Freundschaft. Daniel wird's zu heiß, mitten im Lied zieht er die Jacke aus. Er hat sich etwas erkältet, erklärt er später, aber davon höre ich nichts. Ich habe einen wunderbaren Blick auf die Bühne. Daniel sieht uns allerdings nicht so gut. „Aber das ist vielleicht auch besser so”, scherzt er. Ganz schön frech! „Winkt doch mal”, fordert er uns auf und freut sich gleich darauf: „Die machen das auch noch.” Ein Kameramann von Bild.de wuselt ständig vor der Bühne und um Daniel rum, ziemlich nervig, finde ich. Und doch schön zu wissen, davon später ein wenig sehen zu können.
Show me the fire, Click, You are my friends ... Daniel singt umwerfend schön. Und jedes Mal wenn er singt, vergesse ich augenblicklich alles.
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Ich höre andächtig zu oder befolge "brav" seine Aufforderungen zu winken, zu klatschen oder was auch immer - es macht einfach Spaß, seine Konzerte regelrecht zu erleben und dabei ganz in seine Musik einzutauchen.
Daniel erzählt uns viel vom Dschungel - dem zur Zeit aktuellen Thema in den Medien. „Den Geruch von Kakerlaken bekommt man ewig nicht weg ... als ich nach Hause kam, waren meine Freunde sooooo weit weg”, erzählt er und seine Band nimmt grinsend etwas Abstand. Eine lustige und tolle Truppe hat er da hinter sich. Auch die Zuschauer dürfen reden - Fragen stellen sollen sie ihm. So geht er durchs Publikum, hält manchen sein Mikrofon vors Gesicht oder setzt sich zur Freude der Betroffenen mal hier, mal da auf einen Schoß.
Country Roads, Hold on sweet Darling ... zwischendurch dürfen wir wieder einmal mitsingen, doch ihm ist's zu leise: „Sind wir hier im Altenheim, oder was?” Wenn es so im Altenheim zugeht, dann will ich da jetzt schon freiwillig hin! Daniel verlässt seine Bühne abermals - diesmal, um die Notizblöcke der Pressevertreter zu inspizieren. Aber Steno ist nicht einfach zu lesen: „Wurschtsemmeln ... Beere + Beere = Wurstsalat ... Sind wir hier in der Metzgerei, oder was? Ich glaub, Sie sind auf der falschen Veranstaltung - das ist ein Daniel Küblböck-Konzert!” „Ein netter Irrer” liest er auf dem Block des anderen. Ja, nett ist Daniel: Ganz kostenlos verabreicht er den ersten Reihen immer wieder eine erfrischende Dusche aus seiner Wasserflasche! „Was die für eine Angst haben”, freut er sich über die zusammenzuckenden Damen und tröstet auch gleich: „Ich bin's doch nur - der Onkel aus dem Fernsehen.”
Eines der schönsten Lieder: Amazing Grace ... ganz intensiv singt Daniel, einfach wunderschön. Ich rutsche ganz nach vorne auf meinem Stuhl, möchte am liebsten in das Lied "hineinkriechen". Am Ende fängt er an zu variieren und aus dem Publikum sind ein paar wenige Lacher zu hören. Vielleicht macht er deshalb erst recht weiter? Regelrechte Stimmübungen kommen nun, wo ich gerade so schön versunken bin ... danke Daniel, jetzt bin ich wieder wach! Zwischendurch bekommt Daniel einen Tee serviert. Als er die Tasse gerade in der Hand hält, zucken wieder einige Fans zusammen. Daniel wundert sich ernsthaft, dass ihm zugetraut wird, selbst den Tee zu verspritzen: „So was würde ich nie tun! Der ist nämlich heiß!”
Sein nächster Song: A cowboy in the city. Daniel ist die Unschuld vom Lande - behauptet er jedenfalls. Mickey bringt ihm seine Gitarre. „Was würde ich ohne dich nur machen?”, säuselt er - und sie: „Selber holen?” Die Band darf nun in die Pause und wir erwarten, I wanna go back home von ihm zu hören, aber stattdessen beginnt er eine jam session. Der Text zum Wegschmeißen komisch:
„Es war einmal ein kleiner Junge vom Lande ... den wollte keiner singen hören ... und dann kam Dieter, Dieter, Dieter ...”
So in der Art geht es weiter, bis er schließlich die Bühne verlässt, um das mit uns fortzuführen. Als er auf meiner Höhe vorbei kommt, drehe ich mich reflexartig und deutlich zur anderen Seite, aus Angst,
Fortsetzung
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