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Gesellschaft & Medien 4/7
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April 2008 |
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Barack Obama – Hoffnung für Amerika ?
Fortsetzung von Seite 3
Obama negiert nicht die kulturellen Unterschiede, sondern betont das Verbindende. Die alltäglichen Grenzen zwischen den Bürgern so unterschiedlicher Herkunft, Mentalität, Religion, Hautfarbe oder Bildung werden nicht vom Tisch gewischt, sondern im Gegenteil dazu benutzt, durch eben diese Grenzen das Ziel einer guten Politik bildhaft in den Vordergrund zu stellen, die nur in einer Überwindung dieser Grenzen liegen kann, ohne den Individualismus des Einzelnen dabei einzubüßen. An diesem Punkt folgt auch häufig die rhetorische Frage, was die Zuhörer lieber hätten: Den Zynismus der bisherigen Politik, das Sich-Abfinden mit der gegebenen Situation – oder nicht doch lieber die Hoffnung, diese Situation zum Guten zu wenden, zum Vorteil aller, selbst wenn dies nur mit der harten Arbeit jedes Einzelnen erreicht werden kann:
„Die Streitköpfe lieben es, unser Land zu zerlegen und zu zerstückeln, in rote Staaten und blaue Staaten, rote für Republikaner und blaue für Demokraten. Aber auch für sie habe ich Neuigkeiten: Wir verehren einen wunderbaren Gott in den blauen Staaten, und wir können es nicht leiden, wenn ein Bundesbeamter in den roten Staaten herumschnüffelt. Wir trainieren mit unseren Kindern Baseball in den blauen Staaten, und wir haben schwule Freunde in den roten Staaten. Es gibt Patrioten, die gegen den Irak-Krieg waren, und Patrioten, die für den Krieg waren. Wir sind ein Volk, und wir schwören alle unsere Treue zu den Stars und Stripes (gemeint ist die amerikanische Fahne, Anm. d. Verf.), wir verteidigen alle gemeinsam die Vereinigten Staaten von Amerika.“
In seinen späteren Reden geht Obama oft noch einen Schritt weiter in seiner Betonung der Verantwortlichkeit jedes Einzelnen, die folgende Zitate aus seiner Ansprache am 20. Januar 2008 in Atlanta verdeutlichen:
„Einigkeit ist das große Bedürfnis der Stunde – das große Bedürfnis in dieser Stunde. Nicht, weil es nett klingt oder weil es uns ein gutes Gefühl gibt, sondern weil es der einzige Weg ist, wie wir die essenziellen Defizite überwinden können, die es in diesem Land gibt.
Ich rede von einem moralischen Defizit. Ich rede von einem Mitgefühls-Defizit. Ich rede von einer Unfähigkeit, uns selbst in unseren Nächsten wiederzufinden, zu verstehen, dass wir unseres Bruders Hüter sind, unserer Schwester Hüter, und dass, in den Worten von Dr. King, wir alle verbunden sind in einem einzigen Netz gemeinsamen Schicksals.
Wir haben ein Mitgefühls-Defizit, wenn wir unsere Kinder immer noch Korridore der Scham entlang schicken – in Schulen in den vergessenen Ecken Amerikas, wo die Farbe deiner Haut immer noch die Inhalte deiner Erziehung bestimmt.
Wir haben ein Defizit, wenn Manager mehr in zehn Minuten verdienen, als Arbeiter in zehn Monaten, wenn Familien ihre Häuser verlieren, damit die Vermieter Profit machen können, wenn Mütter sich keine Ärzte leisten können wenn ihre Kinder krank werden. (...)
Wir haben ein Defizit, wenn heimatlose Veteranen in den
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Straßen unserer Städte schlafen, wenn Unschuldige in den Wüsten von Darfur umkommen, wenn junge Amerikaner einen Dienst nach dem anderen in einem Krieg ableisten, der niemals hätte autorisiert werden dürfen und niemals hätte durchgeführt werden dürfen. Leider ist es viel zu oft so, dass wenn wir über Einigkeit in diesem Land reden, wir dabei daran glauben, dass wir diese ganz billig bekommen können. Wir sind zu dem Glauben gekommen, dass Rassenwiedergutmachung ganz einfach erreicht werden kann – dass es nur eine Frage von ein paar Ignoranten ist, die in den Vorurteilen der Vergangenheit gefangen sind, und dass, wenn die Demagogen und die, die von unseren rassischen Unterschieden profitieren, einfach weggehen, alle unsere Probleme wie von selbst gelöst sein werden.
(...) Wir sehnen uns nach Einheit, aber wir möchten den Preis dafür nicht bezahlen. Aber natürlich kann wahre Einigkeit nicht so einfach gewonnen werden. Sie beginnt mit einem Wandel in unserer Einstellung – einer Erweiterung unserer Gedanken, und einer Erweiterung unserer Herzen.“
Den politischen Zynismus und die Gleichgültigkeit der vorherrschenden Mechanismen unserer Tage als passé zu erklären – und stattdessen Politik als Mittel zur Überwindung der bewussten Unterschiede der individuellen Bürger des Landes (mit deren Einbeziehung) einzusetzen, zum Wohle aller zu sehen, dies ist das Geheimnis des Barack Obama.
Die USA auch außenpolitisch stärken: Obama in South Carolina (Quelle: de.wikimedia.org/commons)
Nach seiner Rede zur National Convention 2004 gilt Obama als erfolgreichster Newcomer der Demokraten, und
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