Als junges Mädchen wollte ich immer Schauspielerin werden. Jahre später verwarf ich diesen Traum aufgrund mangelnden Talents und neuer Interessen. Vor kurzem brachten mich Zufälle jedoch trotzdem zum Film und ich stand zuletzt sogar mit den Filmgrößen Jürgen Vogel und Christiane Paul für die Kino-Produktion „Die Welle“ vor der Kamera.
Es ist erst ein paar Jahre her, dass ich auf der Suche nach Nebenjobs auf die Komparserie gestoßen bin. Komparsen sind Darsteller im Film, die neben den Schauspielern das Szenenbild füllen und – zumeist im Hintergrund – individuelle Rollen spielen, wie zum Beispiel der Passant auf der Straße, der Kneipenbesitzer oder der Polizist. Ich war erstaunt, dass man als Komparse Geld verdienen kann und wurde neugierig. Die Höhe der Komparsengagen ist in Deutschland von Stadt zu Stadt schwankend. In Berlin ist es allgemein üblich, dass man für einen 10-Stunden-Drehtag etwa 50-55€ an Gage verdient. Für Schüler und Studenten ist das ein ganz netter Nebenverdienst.

Ich meldete mich bei verschiedenen Berliner Komparsenagenturen an und wurde 2006 das erste Mal für einen Kinospielfilm gebucht. Das erste Mal Filmluft zu schnuppern war natürlich extrem aufregend, denn ich stand zuvor noch nicht sehr oft vor der Kamera. Seit diesem ersten richtigen Dreh bekam ich noch einige weitere Komparsenrollen, mit denen ich mir in den Ferien mein Taschengeld aufbessern konnte.
Meinen bisher schönsten Dreh hatte ich jedoch im vergangenen Sommer. Für die Kinoproduktion „Die Welle“ (nach dem gleichnamigen Roman von Morton Rhue) wurden in Berlin und Brandenburg sehr viele Komparsen benötigt und ich wurde gleich für mehrere Drehtage gebucht. Die Drehtage verlaufen immer recht ähnlich:
Man erscheint zur gebuchten Uhrzeit am Set, meldet sich beim entsprechenden Komparsenbetreuer an und darf dann in den Warteraum gehen. In diesem Fall fand ein Großteil der Drehtage in einer Schule in Brandenburg statt. Dort wurden dann ein paar Klassenräume zu Warteräumen umfunktioniert. Meist gibt es noch ein kleines Frühstück, bevor oder während man in die Maske |
und die Garderobe gerufen wird. Zu meiner Überraschung kam gleich am ersten Drehtag Jürgen Vogel der im Film den Lehrer Rainer Wenger spielt) in den Warteraum und begrüßte uns persönlich. Was sonst eher unüblich ist, nämlich dass Komparsen und Schauspieler während der Drehpausen Kontakt haben, war für ihn offenbar ganz selbstverständlich. Jürgen Vogel ist allgemein unter Komparsen als sehr kollegial bekannt und anders habe ich ihn während der gesamten Drehzeit nicht erlebt.
Wenn das Set fertig vorbereitet ist, werden meist die ersten Komparsen zum jeweiligen Ort gebracht und da die ersten Drehtage aus Massendrehs bestanden, wurde so durchorganisiert, dass man die Komparsen grüppchenweise aufteilte und dann am Set verteilte. Nach Anweisungen der Regieassistenten führen die Komparsen während der Szenen ihre jeweilige Handlung durch. Oft müssen die Szenen vor dem Dreh des Öfteren geprobt werden und auch danach noch mehrmals gedreht werden, da vor allem bei Massendrehs immer mal kleine Fehler passieren können. Man muss also als Komparse sehr viel Geduld mitbringen, denn die meiste Zeit an einem Drehtag besteht aus Warten. Bis so eine Szene abgedreht ist, vergeht einige Zeit und wenn man selbst gerade nicht gebraucht wird, heißt es auch wieder Warten. Als allererstes drehten wir bei dieser Produktion die Schlussszene des Films, welche aber noch nicht genau festgelegt war, d.h. es gab zwei verschiedene Enden, die beide durchgespielt wurden und man wollte erst während des Schnitts entscheiden, welches Ende es dann werden soll. Für alle Beteiligten am Set sind vor allem Geduld und Konzentration ganz wichtige Faktoren, um den Drehtag planmäßig beenden zu können. Auch wenn man es vorher nicht glaubt, so besteht eben genau darin die große Anstrengung für alle Beteiligten an einem Dreh. Nach einer Mittagspause geht es meist sofort weiter und so vergeht – je nach Planung – ein 10-Stunden-Drehtag, der aber ganz unplanmäßig auch gerne mal einige Stunden länger gehen kann.

Während der Drehzeit für „Die Welle“ wurde ich als Schülerin in vielen Szenen eingesetzt, zum Beispiel während Schulhofszenen, im Klassenraum, auf den Flurgängen,
Fortsetzung
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