Wir stehen in einem langen Flur hinter der Bühne, etwa 10
Leute. Daniel ist in einem Raum am Ende des Flurs, und durch die
Glasfront können wir ihn schon sehen. Irgendwie ist das doch
aufregend, bis jetzt war ich die Ruhe selbst.
Wir stehen in Zweierreihen, hinter mir Bettina mit ihrem Sohn,
der auch ein M&G gewonnen hat und schon ganz aufgeregt ist.
Der sehr nette Securitymann holt den kleinen Carlos nach vorne,
damit er nicht so lange warten muss.
Die Reihe wird immer kleiner und endlich bin ich dran. Die Stylistin
nimmt meinen Fotoapparat, um später ein Bild zu machen, und
Daniel kommt lächelnd zwei Schritte auf mich zu.
Ich finde, er sieht krank aus, hat glasige Augen, und ein bisschen
eingefallen wirkt er auch. Ich widerstehe der Versuchung, meine
Hand auf seine Stirn zu legen und wie bei Kindern die Temperatur
zu fühlen.
Die ganze Zeit hatte ich einen Stift in der Hand, jetzt ist der
weg, einfach verschwunden im Bermudadreieck Handtasche. Zum Glück
sehe ich in Daniels Hand einen dicken fetten Edding.
Ich erkläre ihm, dass ich ein Autogramm für eine Freundin
möchte und fange gleich an zu buchstabieren, Daniel lächelt
irritiert, vielleicht nuschele ich ja? Ich wiederhole mein Anliegen
und Daniel unterschreibt auf einem Foto, das ich mitgebracht habe.
Was auch immer ich vor mich hin buchstabiert habe, Daniel ignoriert
es sowieso. Ich bekomme ein universelles, auf alle Namen mit dem
Anfangsbuchstaben A passendes Autogramm.
Danach wird noch ein Foto gemacht, und Daniels Kopf kommt meinem
nahe genug, um mir Schweißausbrüche zu verursachen.
Das liegt weniger an seiner Person, als an der Tatsache, dass
er wohl tatsächlich Fieber hat und ziemliche Hitze verströmt.
Jetzt wird es auch noch hektisch, die Band hat bereits YDMC angestimmt
und ich gehe direkt in den Kon-zertsaal.
|
Den Fotoapparat nimmt mir keiner ab, und
da ich mich ganz hinten hinstelle, wo ich erwartungsgemäß
nichts sehe, mache ich ein paar schöne Bilder von anderer Leute
Hinterköpfe.

Zumindest habe ich ein Stück Videoleinwand gut im Blick, und
als Daniel auf die Bühne kommt, bin ich baff erstaunt über
die Diskrepanz zwischen dem kranken Jungen hinter und dem Energiebündel
auf der Bühne. Er tanzt, er tobt, er reißt sich das Hemd
vom Leib und natürlich singt er auch ... und wie!
Auf jedem Konzert frage ich mich, warum ihm bei soviel Bewegung
nie die Luft wegbleibt. Jetzt, da ich glaube zu wissen, dass er
schwer erkältet ist, bin ich erst Recht vol-ler Bewunderung.
Einmal, als er sich ans Publikum wen-det, muss er husten, und überhaupt
klingt seine Stimme beim Sprechen etwas heiser, beim Singen ist
davon nichts zu merken. Daniel ist ganz Profi und das Konzert gefällt
mir gut.
Wieder einmal bin ich mir ganz sicher, dass aus Daniel mal ein ganz
großer Star wird. Für mich ist er das eigentlich heute
schon.
Foto und Text: Susanne Fessl
|