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Gesellschaft & Medien 1/7
April 2008
Barack Obama – Hoffnung für Amerika ?
„Der Mann der Träume“ (STERN), „Der Messias-Faktor“ , „Der Menschenfänger“(SPIEGEL), „Amerikas neue Hoffnung“ (Titel eines Obama-Sachbuches), auch in Deutschland sind die Journalisten nicht zimperlich mit Superlativen, wenn sie den US-Amerikaner und demokratischen Bewerber auf die Präsidentschaftskandidatur Barack Obama thematisieren. Worte, die man hierzulande selbst in Verbindung mit religiösen Würdenträgern höchst selten antrifft – bei der Beschreibung eines Politikers? Ganz ausgeschlossen. Es sei denn, dieser Politiker heißt Barack Obama. Was ist dran an diesem Mann?
Ist Daniel ein
A- oder B- Promi ?
Hier erfahrt ihr, was es mit der Klassifizierung auf sich hat....
Vorab: Er ist nicht mal Präsidentschaftskandidat. Noch nicht. Er ist – zusammen mit der Ex-Präsidentengattin Hillary Clinton – ein Bewerber der amerikanischen Demokraten auf die Kandidatur. Sollte Obama Hillary aus dem Feld schlagen, muss er sich mit dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner John McCain messen, der bereits feststeht. Erst im November 2008 wird der neue amerikanische Präsident endgültig gewählt. Aber der Posten ist eigentlich nur noch einen Katzensprung entfernt, wenn man einen Weg zurückgelegt hat, der so außergewöhnlich ist wie der von Barack Obama.
Warum ist Obamas Lebenslauf von so elementarer Bedeutung für die Amerikaner? In Deutschland gilt es als grober journalistischer Fehltritt, sich öffentlich Gedanken über Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröders Haare zu machen (sind sie nun gefärbt, oder nicht?), bzw. darüber zu berichten, dass Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust schwul ist. Diese Tatsache war den hanseatischen Redaktionen schon Jahre vor dessen Outing bekannt, wurde jedoch aufgrund einer unausgesprochenen Abmachung zwischen Journalisten und Politikern nie öffentlich gemacht. So etwas gehört sich nicht im deutschen Politikdiskurs. Von öffentlichem Interesse dürfen nur diejenigen Faktoren sein, die mit einer gewissen Relevanz für die Wahlentscheidung der Bürger begründet werden können, also nüchterne Informationen wie das Alter oder der Familienstand eines Politikers, dessen beruflicher Werdegang oder seine politischen Erfahrungen. Alles andere bezeichnet man hierzulande als „Boulevard“, und rümpft entrüstet die Nase, wenn die Berichterstattung in den Medien diese Grenzen überschreitet.
Das Gegenteil ist in Amerika der Fall. In den USA geht man ganz selbstverständlich davon aus, dass der ganze Politiker- Mensch interessant ist, und somit auch dessen sexuelle Fehltritte (Bill Clinton/Monica Lewinsky), seine zweifelhafte religiöse Ausrichtung (Präsidentschaftskandidatenanwärter Mike Huckabee), seine Erfahrungen mit illegalen Substanzen (Clinton: „Ich habe zwar Marihuana geraucht, aber nie dabei inhaliert“), seine Alkoholsucht (George W. Bush) oder sonstige private Verfehlungen (John F. Kennedy). Der mündige US-Bürger will nachempfinden, will sich identifizieren, will emotional verstehen, warum der US-Politiker, den er wählen soll, so handelt, wie er handelt. Der US-Politiker wird betrachtet, wie man sich einen amerikanischen Mainstream-Blockbuster anschaut: In seiner Gänze überhöht gezeichnet, über den Dingen stehend, moralisch und ethisch einwandfrei handelnd, dennoch mit dem Quäntchen fehlbarer Menschlichkeit, welches ihn
Barack_Obama · Quelle: de.wikimedia.org/commons
Vielleicht der nächste Präsident der USA: Senator Barack Obama (Quelle: de.wikimedia.org/commons)
sympathisch (und damit wählbar) macht. Obamas Lebenslauf weist alle diese Qualifikationen auf, und zusätzlich noch weitere Faktoren, die ihn bereits aufgrund seines Werdegangs in die Nähe eines politischen Erlösers rücken.
Geboren wurde Obama am 4. August 1961 auf Hawaii. Seine Mutter Ann Dunham, eine weiße Studentin aus Kansas, verliebte sich in den ersten schwarzen Gaststudenten der dortigen Universität, Barack Obama Senior vom Stamme der Luo, aus Kenia. Obama Senior stammte aus dem Dorf Alego in der Nähe des Viktoria-Sees, wo sein Vater Hussein Onyango Obama als Stammesältester unter anderem auch als Medizinmann mit außergewöhnlichen Heilkräften wirkte. Obamas Vater war über ein Stipendium in die USA gekommen, sein Studium der Wirtschaftswissenschaften auf Hawaii schloss er als Jahrgangsbester ab. Seiner Ehe war indes weniger Erfolg beschieden, man trennte sich nach zwei Jahren. Barack Junior reiste bald darauf mit seiner Mutter, die ein zweites Mal einen Gaststudenten geheiratet hatte, nach Indonesien und verbrachte dort die Zeit bis zur fünften Klasse. Als Obama zehn Jahre alt war, schickte ihn seine Mutter zurück zu ihren Eltern nach Honolulu, wo er bei seinen Großeltern aufwuchs, bis er die High School
 
Online-Magazin Im Endeffekt Ausgabe 15 · © 2003 - 2008 danielwelt.de · Impressum · Printausgabe