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Gesellschaft & Medien 2/6
Februar 2009
Die Menschheit hoch in den Lüften
oder Seifenopern erinnert. Während des Fluges tauchen jene Bilder häufig aus heiterem Himmel vor den Augen einzelner Fluggäste auf und lassen den Betroffenen von da an keine Ruhe mehr... Matthias Baur von der Lufthansa wiegelt ab: "Ein Triebwerksausfall ist absolut kein Grund, um in Panik zu verfallen", er bezeichnet den besagten Fall wortwörtlich als "völlig unproblematisch".
Ein Flugzeug kann prinzipiell selbst nach einem kompletten Triebwerksausfall noch ohne die Hilfe der Triebwerke weiterfliegen. Als wolle der Pilot jeglichen Funken Restpanik auslöschen, fügt er bekräftigend hinzu "Ich würde heute mit Ihnen wetten, dass ich in meiner fliegerischen Laufbahn keinen Triebwerksausfall erleben werde".
Zuletzt hat sich der hessische Rundfunk noch mit dem Fahrwerk beschäftigt und der Möglichkeit, "dass sich das Fahrwerk bei der Landung nicht ausfahren lässt". Vielen Lesern der "Im Endeffekt" mag die sogenannte Hydraulik aus dem ach so heiß und innig geliebten Physikunterricht noch etwas Genaueres sagen. Fakt ist: die Hydraulik ist beim Fliegen das "primäre System". Für den Notfall hat die Technik Gott sei dank dafür gesorgt, dass man die Fahrwerke, sollte die Hydraulik derselbigen defekt sein, "auch noch manuell ausfahren kann". Anhand all dieser Erklärungen Baurs, einem routinierten Lufthansa-Piloten, zog der hessische Rundfunk nach dem Interview das Fazit: "Fliegen ist heutzutage sicher!"
Ich sehe es bildlich richtig vor mir, wie der geneigte "Im Endeffekt - Leser" nun mit der Stirn runzelt und sich trotz sämtlicher Fakten über die heutzutage angebliche Sicherheit des Fliegens, nicht entspannt fühlt... Soll es uns beruhigen, wenn Piloten und andere Experten beteuern, wie gering die Gefahr eines Flugzeugabsturzes inzwischen geworden ist? Warum wird in den Nachrichten dann immer mal wieder über solch schreckliche Unglücke berichtet? Warum geschehen solche Abstürze, obwohl Techniker und Co nicht müde werden zu betonen, dass das Fliegen eine absolut sichere Angelegenheit ist? Meiner Ansicht nach ist es ungeheuer wichtig, sich zu allem stets seine eigene Meinung zu bilden, nachdem man sich ausführlich mit den Tatsachen und Sachverhalten beschäftigt hat. Beim Flugzeugunglück in Madrid wurde den Passagieren eingebläut, dass alles in Ordnung sei und Niemand aussteigen solle... Was sich daraufhin ereignet hat, wissen wir.
Ganz offensichtlich ist Flugangst, unter der ja allein in Deutschland Millionen von Menschen leiden, nicht völlig unbegründet.
Von daher empfiehlt es sich, noch einmal intensiver einen Blick auf diese sehr präsente Aviophobie zu werfen. Die Flugangst rechnet man zu den "spezifischen Phobien", was bedeutet, dass es sich dabei um eine Angst handelt, die das Leben des Betroffenen massiv beeinträchtigt. Eine spezifische Phobie definiert sich dadurch, dass jemand "Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer speziellen Situation" hat. Aus einer leichten Flugangst kann sich bereits eine ernste Aviophobie entwickeln, weswegen es von Vorteil ist, schon bei ersten Symptomen, die auf
Flugangst hindeuten, professionelle Hilfe aufzusuchen, getreu nach dem Motto "Vorsicht ist besser als Nachsicht". Experten bestätigen dies, "die Übergänge sind fließend". Flugangst ist eine "objektiv unbegründete Angst" und hat einen stark individuellen Charakter, bei jedem äußert sich diese Form von Phobie anders.
Manche Betroffene haben Flugangst, ohne bisher jemals in ihrem Leben geflogen zu sein, wobei das ein eher geringer Prozentsatz ist. Die meisten Aviophobiker bekamen irgendwann während eines Fluges ihre erste Panikattacke, die später in eine kontinuierlich schlimmer werdende Angst mündete. Andere wiederum haben in der Vergangenheit beim Fliegen schlechte Erfahrungen gemacht und werden seitdem von einer Flugangst behindert. Das waren die Ursachen von Aviophobie, häufige Symptome davon sind Schweißausbrüche, feuchte oder kalte Hände, Herzrasen, das Gefühl keine Luft zu bekommen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Durchfall. Auffällig ist auch, dass viele Betroffene derart von ihrer Angst gelähmt werden, dass sie es nicht schaffen, etwas dagegen zu unternehmen. Stattdessen passiert es oft, dass sie vor dieser äußerst bedrohlichen Angst weglaufen und schließlich davon übermannt werden. Flugangst ist eine ernste Sache und sollte keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden. Nicht wenige glauben, sie mit Alkohol oder Medikamenten überwinden zu können, was eine immense Gefahr in sich birgt. Sofort etwas dagegen zu tun ist um Einiges besser als dauernd zu stolpern und letztlich in eine Endlosspirale der Verzweiflung zu geraten.
Um Flugangst fachlich zu diagnostizieren, ist es nötig, ein detailliertes Gespräch mit dem Betroffenem zu führen. Dies ist erforderlich, um "bestehende Symptome" zu erfassen. Neben Gesprächen, die zur Diagnose beitragen sollen, werden auch gerne "Angsttagebücher" geführt, in denen festgehalten wird, "wie oft, in welchen Situationen und wie stark die Angst innerhalb eines bestimmten Zeitpunkts aufgetreten ist". Solche Tagebücher sind auch ein fester Bestandteil der Therapie. Flugangst kann zudem nur individuell therapiert werden, weil sie bei jedem Menschen unterschiedlich auftritt. Während einer Therapie gegen Flugangst wird dem Patienten beigebracht, wie er mit gezielten Entspannungsübungen seine Ängste Stück für Stück verringern kann. Neben diesen Entspannungstechniken wird außerdem eine Verhaltenstherapie angewendet. Diese beinhaltet eine direkte Konfrontation mit der Angst. Betroffene lernen, die Angst nicht mehr zu meiden, sondern ihr selbstbewusst und mit aller Kraft entgegen zu treten. Das, was die Angst auslöst, wird erkundet und entdeckt, so kann es beispielsweise sehr effektiv sein, "sich ein Flugzeug nur anzuschauen, ohne gleich fliegen zu müssen". Einige Fluggesellschaften bieten seit geraumer Zeit ergänzend Seminare an, die den Betroffenen die Angst vor dem Fliegen nehmen sollen. In theoretischen Einheiten wird ihnen vermittelt, warum ihre "Angst rational unbegründet ist". Gegen Ende eines solchen Seminars steht dann ein Flug an der Tagesordnung, der sozusagen eine Art Feuerprobe ist... In besonders schwerwiegenden Fällen werden den Betroffenen Medikamente verschrieben, die nur unter
 
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