Daniel, der Zauberer - Kino-Kult auf DVD
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Beim Ton hat man die Auswahl zwischen DD 2.0 (Dolby Digital Normalformat für Stereolautsprecher) und DD 5.1 (für Räumlichkeit, nur bei Mehrfach-Soundsystem zu empfehlen, dann aber ist man mittendrin im Geschehen). Es gibt nur eine deutsche Tonspur – nun, dies ist nicht wirklich eine Überraschung.
Ein Zückerchen ist das reichhaltige Bonusmaterial! Außer dem offiziellen Kinotrailer und den Clips von allen vier Songs aus dem Film („Man in the Moon“, „Skin I’m In“, „My Life is Magic“ sowie „Teenage Tears“) enthalten die DVDs noch eine Bildergalerie mit den bekannten Film-Shots, Daniels Discographie, das offizielle Presseheft und einige Pressekritiken (Blickpunkt Film, Bunte), eine Artwork-Galerie mit den offiziellen Filmplakaten und eine Kategorie namens „Hot Stuff“, in dem sich u.a. auch der schriftlich begründete Beschluss der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) befindet, welcher den Film mit einer wahrhaft positiven Begründung (aber lest selbst!) ab sechs Jahren frei gibt.
Nicht zu vergessen sei das „Making of“, das mit knapp sieben Minuten zwar nicht allzu ausführlich ausfällt, dafür aber mit persönlichen Statements von Produzent Peter Schamoni, Regisseur Ulli Lommel und Hauptdarsteller Daniel Küblböck aufwartet.
Fazit: Trotz des kultig-kleinen Tippfehlers im Benutzermenü (welcher mit Sicherheit noch einmal in einem der Rätsel der Im Endeffekt abgefragt wird, daher sei er hier nicht verraten) stimmt hier das Preis/Leistungsverhältnis absolut – die Normalversion liegt bei 9,99 Euro, die Special Edition kostet bei Amazon 13,99 Euro. Kleines Manko: „Teenage Tears“ wäre sicherlich noch mehr zu genießen gewesen, hätte man sich dazu entschließen können, den im Original von Ulli Lommel gedrehten Videoclip mit an Bord zu nehmen.
Apropos Ulli Lommel: Der drehte im Anschluss an „Daniel der Zauberer“ in den USA den Horrorstreifen „Zodiac Killer“, um einen amerikanischen Serienmörder. Der Film lief zwar im März dieses Jahres beim Fearless Tales Genre Festival, kam aber nie in die amerikanischen Kinos, sondern erschien bereits am 19. Juli bei Lion’s Gate Entertainment auf DVD, also noch zweieinhalb Monate früher als „Daniel, der Zauberer“ hier in Deutschland. Bei Amazon.com dümpelt er im Ranking irgendwo zwischen 15.000 und 18.000, und wird aufgrund des Formats nicht in Länder außerhalb der USA und Kanada geliefert - zum Trost empfehlen wir den ebenfalls im Bonusmaterial von DdZ vorgestellten Film „Car Napping – bestellt, geklaut, geliefert“ - wenn der nur halb so kultig ist wie sein Trailer, so können wir sicherlich davon ausgehen, ihn ebenfalls bei Astro Distribution im Programm zu finden.
"Daniel, der Zauberer" endlich auf DVD - nicht nur ein ideales Weihnachtsgeschenk für Freunde und Familie, sondern auch ein unschätzbares Stück Erinnerung an Daniels PE-Tour mit großartigen Konzertausschnitten und ganz besonders viel Positiver Energie für alle Fans.
Corinna Kahl · Bildquelle: Amazon
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Wer ist der König des Kommerz?
„Ich hass mich“ lautet das Motto von Daniels angekündigten Konzerten in München und Berlin. Daniel möchte uns sein neues Album vorstellen – und auch sein neues Image. Weg von der Positiven Energie, von den Sonnenblumen und den pink- oder sonst wie pastellfarbenen T-Shirts.
Stattdessen: Ein Flegel, der ganz unverfroren im TV über Sex lästert. Der sich gern mal dezent daneben benimmt und in der Öffentlichkeit raucht. Der seine Fingernägel schwarz lackiert und zerrissene Jeansjacken trägt. Einer, der ganz offen verlauten lässt, dass ihn sein Imagewandel wohlmöglich einige eingefleischte Fans kosten wird. Die Eintrittskarten fürs Konzert ziert ein Keltenkreuz, ein Symbol, welches heutzutage gern von der rechten Szene zweckentfremdet wird, obwohl es ursprünglich für die Vereinigung des Männlichen und des Weiblichen stand. Provozieren um jeden Preis. Um jeden Preis?
Am Anfang von Daniels Imagewandel, den er zusammen mit seinem neuen Produzenten Jack White in die Wege leitete, stand der Entschluss, jetzt deutsch zu singen. Damit einher ging die Option, endlich auch eigene Songs verstärkt produzieren zu können – was für Daniel sicherlich einen Meilenstein in seiner künstlerischen Entwicklung darstellt.
Eher kommerziell geprägt schien dagegen die Entscheidung, als ersten Song der „neuen Zeit“ eine Coverversion auf den Markt zu bringen. Provokant sollte sie sein, eingängig, im Stil vielleicht sogar überleitend zu der Art von Musik, wie sie Daniel schon lange in seinem Herzen vorschwebt.
Die Wahl fiel auf Rio Reisers „König von Deutschland“.
Als dies bekannt wurde, jaulte sie auf, die Meute der Antis und der selbsterkorenen Bewahrer der einzig wahren Künste. Schnell war von Blasphemie die Rede, und davon, wie sich ausgerechnet ein Daniel Küblböck vergreifen konnte an einem Meister des politischen Chansons, wie es der einstige Frontmann von „Ton Steine Scherben“ selig nicht nur in den Augen seiner Erben einmal gewesen war.
Eigentlich könnten wir den Punkt „provokant“ an dieser Stelle bereits als erledigt abhaken, wenn sich in der Folge nicht ein fast schon surrealistisches Nachspiel zugetragen hätte, welches unbedingt näher erläutert gehört: Daniel hatte es doch tatsächlich gewagt, den ursprünglichen Songtext von Rio ein wenig zu verändern.
Womit wir nun auch den Punkt „Blasphemie“ zu den Akten legen könnten, gäbe es nicht auch hierzu noch die eine oder andere Bemerkung nachzutragen. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass die darob grob empörten Erben des einstigen Königs mit der Hilfe des Landgerichts Berlin eine sofortige einstweilige Verfügung gegen diese Version erwirkten.
Aber hübsch der Reihe nach.
Dass für Daniel Küblböck in der öffentlichen Wahrnehmung unserer Republik speziellere Spielregeln gelten als für andere Künstler, ist uns aus langjähriger, teils bitterer Erfahrung nur allzu wohl bekannt. Insofern erstaunt es keinen, dass es seit Erscheinen des Songs 1986 bislang über ZWANZIG Coverversionen von „König von Deutschland“ gegeben hat.
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