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Gesellschaft & Medien 6/17
Dezember 2004
Es kann nicht sein, was nicht sein darf!
Ist es, weil die Musikrichtung, in die Daniel geht, sich so wohltuend von der sonstigen Plastikeinheitsmusik abhebt und deshalb nicht in das Programming der meisten Jugendsender und Musikkonzerne passt? Paradox ist dies allemal, denn als er noch mit Dieter Bohlen als Produzent arbeitete, wurde ihm vorgeworfen, er würde Bohlen-Mainstream-Musik machen und wurde gerade deshalb nicht (gerne) gespielt. Jeder dreht sich halt die Argumente so hin, wie er sie braucht.

Kurzum: Ist es, weil Daniel sich nicht mehr länger in eine Schublade stecken lässt und sich gegen die ihm aufgedrängte Rolle des "schrägen Clowns" wehrt? Weil Daniel seinen eigenen Kopf hat und nicht die Marionette für die Konzernbosse spielen will? Weil er keine Lust mehr auf die Mainstream-Einheits-Musik hat? Eigene, kreative Köpfe sind halt nicht immer gefragt!

Wir können davon ausgehen, dass keiner dieser Gründe für sich alleine verantwortlich für die momentane Situation ist, sondern eine Mischung aus den hier aufgeführten (und wahrscheinlich noch einigen anderen).
Sicher ist aber, dass Daniel ein außergewöhnliches Talent hat und zudem bisher seine Authentizität und Persönlichkeit bewahrt hat.

In meiner Zukunftsvision wird Daniel eines Tages als ernstzunehmender Künstler in der Öffentlichkeit anerkannt, allein schon aus dem Grund, weil sich Qualität durchsetzt. In diesem Zusammenhang ist er nicht der erste Künstler, dem es so ergeht: auch große Namen wie zum Beispiel Herbert Grönemeyer hatten es am Anfang schwer und werden nun mit Preisen und Anerkennung überhäuft.

Zwar hat Daniel noch einen langen Weg vor sich und wird noch manches Tal des Zagens durchschreiten müssen. Solange er aber an sich selbst glaubt und eine Fanbase hat, die nicht so leicht zu erschüttern ist, solange ist er auf dem richtigen Weg, Musikgeschichte zu schreiben.

Wer von uns würde ihn dabei nicht gerne begleiten?

Beate Gonitzki
Ab dem 16. Dezember gibt es hier eine Überraschung
Leben mit Aids...
Das bittere Los, positiv zu sein, ist unabwendbar,
aber mitten in unserem Leben

Foto: (c) Uwe Görke
Uwe Goerke ist 39 Jahre jung. Zusammen mit seinem Lebensgefährten Benjamin G., den Katzen Micky und Aischa und dem Hund Moyo lebt er in einem Mehrfamilienhaus in Schwerte/Holzen (NRW). Vor fast 14 Jahren hat Uwe erfahren, daß er HIV-positiv ist. Er ist gelernter Lebensmittelverkäufer, jedoch durch die HIV-Infektion seit seinem 32. Lebensjahr Erwerbsunfähigkeitsrentner. Seit 1996 unterzieht Uwe sich der sogenannten Kombinationstherapie, durch die sich die Virusmenge im Körper unter die Nachweisgrenze bringen lässt.

Uwe wird am 06. August 1964 im Sauerland geboren. Wie auch seine fünf anderen Geschwister, die er erst Jahre später kennenlernt, wächst er in einem Kinderheim auf. Mit 18 Jahren schiebt er morgens in einer Textilfabrik Frühschicht, arbeitet nachmittags auf einem Friedhof als Gärtner und jobbt abends als Tellerwäscher. Drei bis vier Stunden Schlaf genügen ihm. Als er 24 Jahre ist, stellt Uwe seine Homosexualität fest. Er jobbt in der Kölner Szenedisco "Lu lu" als Aushilfe und ist für seine gute Laune und flotten Sprüche bei den Gästen beliebt.

Durch eine Untersuchung beim Urologen erfährt Uwe 1991 vom Test - Ergebnis: HIV - positiv. "Meine Welt brach zusammen.", blickt er zurück. Die Reaktionen seines Umfelds beschreibt er als Albtraum, den er seinem schlimmsten Feind nicht gönnt. In der Disco, wo er als Aushilfskraft arbeitet, will man von ihm keine Cola mehr, da er ja mit den Händen die Zitrone ins Glas getan hat. Im Solarium wird er gekündigt, Hausärzte haben Angst, dass, wenn er ihr Patient bleibt, die anderen Patienten wegbleiben. Beim Zahnarzt bittet man ihn, doch Verständnis dafür aufzubringen, dass er nach den offiziellen Öffnungszeiten wiederkommen solle, da nach seiner Behandlung der Raum drei Stunden gelüftet werden müsse.

Uwe macht kein Geheimnis aus seiner Infektion mit dem tödlichen Virus. Für ihn ist die Krankheit AIDS, trotz seines Wissens, HIV-positiv zu sein, in weiter Entfernung. "Mich wird das Virus nicht kriegen." Genau so jemand kommt den Medien recht. In einer Talkshow nach der anderen spricht Uwe von sich und seinem Virus, dem er den Namen "Tim" gegeben hatte, und davon, dass er und "Tim" 114 Jahre alt würden.
 
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